Vita
CIAM Record
Speeches & Presentations
Von den Anfängen bis 2000
"Dow Cup", ein Saalflugmodell für Schulwettbewerbe
Schule und Modellflug - wie geht das zusammen?
Freiflugmodelle und Längsstabilität
Deutscher Modellfliegerverband und DAeC
Abenteuer Verbandspolitik
EASA-Anspruch und Modellflug-Wirklichkeit Januar 2017
EASA NPA vom Mai 2017
EASA verliert den Beifang Juli 2018
EU-Regelung für den Modellflug von Morgen - März 2019
Beauftragung der Verbände August 2019
Aerodynamik
My Models
My Articles
Photographs
Sport, Performance & Fairness
Education
Recreational Flying versus Competition
Old and New Classes
Europe as Part of the World
Contact/Data Protection
Abenteuer Verbandspolitik
Persönliche Erinnerungen eines Ehrenamtlichen

1977, also vor 40 Jahren, wollte ich erstmals an Wettbewerben mit A2-Freiflugmodellen teilnehmen. Mir war klar: Ich muss in einen Verein oder Verband eintreten. Nach der Papierform schien der damals noch junge DMFV attraktiver als der altmodische DAeC, dessen Landesverbands-Struktur mir vollkommen überflüssig erschien. Auf meinen Brief hin bekam ich die Regeln für F1A-Wettbewerbe zugeschickt, leider mit der Anmerkung, dass der DMFV Freiflug weder ausschreibe noch sonst wie unterstütze.

Blieb nur der Weg zum DAeC in Gestalt des "Aero Club Hamburg", der mich mit FAI Lizenz 6-154 versorgte. Mit ihr auf den Tragflächen von etwa 20 unterschiedlichen Modellen war ich mit maßvollen Erfolgen seit 1978 bei Deutschen und Britischen Meisterschaften sowie in der damaligen "Bundesliga" unterwegs. Als ich 1990 versäumte, die Lizenz rechtzeitig zu beantragen, bekam ich GER 1296 zugeteilt; diese Nummer steht bis heute auf meinen Flugmodellen.
Freiflug ist, wenn Fairness fehlt

Der Verband selbst begegnete mir vor allem in Gestalt des langjährigen Freiflug-Fachausschuss-Vorsitzenden und Mannschaftsführers Ulrich Schmelter. Mit ihm hatten meine Freunde zu tun: Dr. Lothar Döring, Dr. Gunter Klemke und Reiner Hofsäss qualifizierten sich in der Klasse F1B ("Wakefield", Freiflug-Gummimotormodelle von 230 g) immer wieder für das WM-Nationalteam und gewannen in Spanien 1981, Australien 1983 und Livno 1985 Gold, Silber oder Bronze. 1985 - mit Reiner als Sieger und Lothar als 2. - feierte ich ihren Doppelsieg beim großen WM-Bankett ohne das deutsche Team. Schmelter hatte entschieden, Medaillenverleihung und Bankett nicht beizuwohnen.



Wer glaubt, solche Unsportlichkeit ließe sich nicht steigern, wurde 1993 eines schlechteren belehrt. Lothar flog kurz vor der WM in Lost Hills (USA) seine F1C-Modelle auf dem Wüstengelände ein, als Mannschaftsführer Schmelter von ihm verlangte, das als Basis genutzte Leihauto für private Transporte frei zu machen. Das tat dieser nicht, und bezichtigte ihn der Unfähigkeit in seiner Rolle als Team Manager - auch wegen anderen Versagens. Lothar wurde vom Start ausgeschlossen, und Freund Reiner wollte jetzt auch nicht mehr für das deutsche Team starten. Sportstrafen folgten auf dem Fuße: der DAeC entzog beiden für 1994 und 1995 die FAI-Lizenz, worauf sie den Modellflugsport aufgaben.

Mich hat damals der Fall sehr beschäftigt. Als Betriebsratsvorsitzender der Deutschen Unilever GmbH wie als berufener Arbeitsrichter war ich mit Konflikten vertraut. Der Fall Schmelter./.Döring aber war - und ist in der Rückschau von 24 Jahren - als Konflikt in einem reinen Amateursport so monströs, der DAeC einschließlich seines Präsidenten Scheer verteidigte so entschieden offensichtliches Unrecht, verhielt sich so unfair, stand so geschlossen hinter einem fragwürdigen Funktionsträger, hinter Willkür, Neid, Feigheit und Lügen, dass ich diesem Verband für immer den Rücken hätte kehren müssen. Doch für Freiflug gibt es keine Alternative; ich blieb DAeC-Mitglied.

Glücksfall Günter Müssig

Das Verbandsklima änderte sich, als Schmelter 1997 den Vorsitz im Fachausschuss Freiflug an Stellvertreter Günter Müssig abgab. Liebenswert und ehrlich, aufopferungsbereit, fleißig und von einem eigentümlich altmodischen Temperament prägte er den deutschen Freiflug im DAeC über Jahre. Es war eine Freude, dabei zu sein. Ich wurde sein Stellvertreter, wurde Expert bei der CIAM, Mannschaftsführer für die Junioren, folgte ihm als Vorsitzender Freiflug. In dieser Funktion fand ich mich dann auch 2000 im Vorstand der Sportfachgruppe Modellflug im DAeC wieder, heute Bundeskommission Modellflug.
DMFV in den DAeC?

Auf Empfehlung des ausscheidenden Werner Groth (CIAM Vizepräsident 1986 bis 2000) wählte mich die Mitgliederversammlung der Sportfachgruppe ein Jahr später zusätzlich zum CIAM-Delegierten. Jetzt kam wieder der DMFV ins Spiel: Während CIAM-Tagungen wurde ich angesprochen, dass die Konkurrenz in Deutschland Wettbewerbe mit FAI-Klassen austrage, ohne Mitglied der FAI zu sein. In markenrechtlichen Fragen sensibilisiert, bat ich im Auftrag des DAeC eine Anwaltsfirma um rechtliche Prüfung. Das Gutachten ergab, dass im Prinzip dem DMFV die Nutzung der FAI-Kürzel untersagt werden könne, doch praktisch durch viele Jahre stillschweigender Duldung ein Rechtsanspruch verwirkt sei.

Gut zehn Jahre lang versuchten wenig später Vorstand der Sportfachgruppe und DAeC-Präsidium, den DMFV erneut zum Beitritt in den DAeC zu bewegen. Schließlich brachte auch eine Moderation durch den Deutsche Olympischen Sportbund keine Annäherung. In Erinnerung geblieben sind mir aber "Sportgespräche", bei denen Anfang der 2000er immerhin eine bis heute dauernde Kooperation bzw. Arbeitsteilung bei den Jet-Modellen verabredet wurde. Im Laufe jeden Gesprächs versuchte ich, die Chancen gemeinsamen Sports auszuloten, verwies gelegentlich auch auf die der Nutzung von FAI-Klassen, unrechtmäßig, solange es keine Vereinbarung gäbe.

Selbstkritisch musste ich später einsehen, dass die Kultur eines vergleichsweise kleinen, auf internationalen Sport (13 Nationalteams für EM und WM pro Jahr!) ausgerichteten Teilverbandes nicht vereinbar ist mit der Organisation eines selbständigen, wirtschaftlich unabhängigen Zentralverbandes, der professionell geführt einer wachsenden Zahl von Freizeitpiloten Versicherung, Fluggelegenheit und rechtlichen Schutz für die Ausübung ihres Hobbys gewähren soll. Die Versuche, den DMFV in den DAeC zu ziehen, waren wenig intelligent - so wie gelegentliche Versuche von DMFV-Vertretern, sich unabhängig von der "National Airsport Control" der FAI zu nähern, es auch nicht waren.
Grober Vertrauensmissbrauch

Aufregender als diese vergeblichen Bemühungen war zuweilen die tägliche Arbeit im DAeC. Für die Modellflugtagung 6. Dezember 2009 hatte der Landesverbandsvertreter von Bremen, Dieter Reil, einen Antrag auf meine Abwahl gestellt. Ich wäre als deutscher Delegierter dem Vorschlag des Fachausschusses Fernlenkflug für einen deutschen CIAM-Unterausschuss-Vorsitzenden nicht gefolgt. Das sei ein "grober Vertrauensmissbrauch" gegenüber der (übergeordneten) Modellflugtagung gewesen, die sich trotz Kenntnis der Fachausschuss-Meinung auf meinen Rat hin für einen anderen Kandidaten entschieden hatte.

Es ging um den bereits CIAM- und Unterausschuss-erfahrenen Michael Ramel, der tatsächlich dann von 2009 an CIAM Aerobatics leitete. Sein Gegenspieler Peter Uhlig, der es April 2017 endlich auf die begehrte Position schaffte, unterlag bei der Abstimmung der MFT in Kirchheim/Teck November 2008. Uhlig versuchte trotzdem, über die Nominierung durch den Liechtensteiner Delegierten April 2009 noch ins Spiel zu kommen - was ich mit dem MFK-Beschluss und den FAI By-Laws vor Augen zu unterbinden hatte.
Einspruch gegen das Protokoll.pdf

Man fragt sich, welch Geistes Kind eine Versammlung und ihr Leiter waren, dass sie den Reil-Antrag Dezember 2009 überhaupt zuließen. Tatsächlich bestand meine Verteidigung aus ganzen drei Sätzen, dann demontierte sich die Versammlung, bis Reil den Antrag zurückzog. Ich sagte: "Die MFK hat mich um Rat gefragt, welcher Kandidat aussichtsreicher sei, und ich habe einen Rat gegeben. Der wurde angenommen, hat gearbeitet, der Kandidat wurde gewählt. Jetzt soll ich dafür bestraft werden." - Bleibt anzumerken, dass Dieter Reil als stellvertretender Vorsitzender - und damit mein Nachfolger - von 2014 an seine intellektuelle Kraft fr ein paar Jahre auch im BuKoM-Vorstand entfaltete.
Neuanfang der Verbandsgespräche und ihr Ende

2012 verlangte Hans-Joachim Schaller, jetzt 1. Vorsitzender der Bundeskommission Modellflug im DAeC, neu über die beiden Verbände nachzudenken. Warum nicht organisatorisch lassen, wie es ist, aber die vorhandene Kooperation auf Vereinsebene durch Absprachen ergänzen, dem Sport gegenseitig das Tor aufmachen und gemeinsame Wettbewerbe bis hin zu Deutschen Meisterschaften verabreden? Das hatte es im Pylon Racing schon in den 90er Jahren gegeben und versprach wieder mehr und besser ausgestatteten Sport.

Der Teufel steckte im Detail. Beim DMFV gab es nicht nur Zuschüsse des Verbandes für das Austragen von Wettbewerben, auch bei der Reisekostenregelung mit 39 Cent pro gefahrenen Autokilometer für Punktwerter und Organisatoren konnte der DAeC nicht mithalten. Der DMFV bezahlt die Wettbewerbe, und der DAeC ermittelt bei ihnen seine WM-Kader? Ohne Verbesserung der Kostenstruktur in der BuKoM musste eine gerechte Kostenaufteilung und damit das ganze Projekt scheitern.

Für diese Verbesserung gab es reichlich Spielraum, wie Hans-Joachim Schaller bei einem mehrtägigen Aufenthalt in Braunschweig herausfand. Die Details waren (sind?) zum Teil skandalös, steuerrechtlich fragwürdig und auf jeden Fall ungerecht für den Modellflug, der gemessen an seiner geringen Zahl von Mitgliedern einen viel zu hohen Anteil der Kosten der DAeC-Geschäftsstelle zu tragen hatte. Kein Wunder, dass für den Sport nichts übrig blieb, obwohl noch nicht einmal Beiträge zu verwalten sind: Mitglieder sind die 16 Landesverbände und der MFSD, an die die einzelnen Modellflieger Beiträge entrichten.



Eine Lösung bot die irgendwann anstehende Pensionierung des langjährigen Modellflug- Geschäftsführers. Am Rande der BuKoM-Mitgliederversammlung 27./28. April 2013 in Schwerin fragte ich Ulrich Braune, Präsident des DAeC-Landesverbandes Bayern, ob nicht die Geschäftsstelle in München die BuKoM-Verwaltung mit übernehmen könne. "Wir müssten vielleicht eine Auszubildende oder eine halbe Kraft zusätzlich einstellen ..." war die Antwort.
Rücktritt vom Vorstand 2014

Während Hans-Joachim Schaller und ich im DAeC-Präsidium das Projekt voranzutreiben suchten, baute sich im übrigen BuKoM-Vorstand verhaltener Widerstand auf. In den Landesverbänden aber wurden die Messer gewetzt. Ihnen war an einer personell nach ihrem Gusto ausgestatteten Braunschweiger Geschäftsstelle gelegen, und daran, die Kosten für teuren Segelflug von Modellfliegern mit tragen zu lassen. Nähe zum DMFV schien auch den langsam wachsenden Mitgliederbestand zumindest des MFSD zu gefährden. Braune setzte sich geschickt ("Was kümmert mich mein Geschwätz von gestern") an die Spitze der Bewegung und stellte im Dezember 2013 einen Misstrauensantrag gegen Hans-Joachim Schaller und mich. Am 18. Januar 2014, im Rahmen einer außerordentlichen Mitgliederversammlung der Landesverbandsvertreter in der BuKoM, traten Schaller und ich von unseren Vorstandsposten zurück. Es lag auch ein Misstrauensantrag gegen mich als CIAM Delegierten vor. Den zog Braune aber während der Sitzung wieder ein: Schon Anfang Dezember 2013 hatte ich - nicht ohne Hintergedanken - dem von ihm geschätzten Peter Uhlig vorgeschlagen, nach der Vollversammlung im April mein Nachfolger bei der CIAM zu werden.
Für den DMFV im CIAM Bureau

Uhlig kam April 2014 nicht nach Lausanne, ich konnte ihn für einen guten Einstieg weder vorstellen noch bekannt machen. Sehr spät war Uwe Schönlebe - er beerbte Schaller als 1. Vorsitzenden - aber gedämmert, dass ich mich vielleicht erneut als Unterausschuss-Vorsitzender Education ins CIAM Bureau würde wählen lassen, für weitere zwei Jahre. Zu spät: Als deutscher Delegierter konnte ich meine Zustimmung zu meiner Wahl durch die versammelten Delegierten geben; die Wahl erfolgte einstimmig. Nach der Tagung trat ich wie verabredet als deutscher Delegierter zurück, hatte auch meine Position als 1. Vizepräsident geräumt, war aber erneut ins CIAM Bureau gewählt.

Jetzt hatte die BuKoM ein Problem. Ich war in Ungnade gefallen, saß trotzdem im Vorstand der Modellflugkommission der FAI. Der DAeC versuchte es so zu lösen: Die Reisekosten für die April-Tagung wurden erstattet, die für die Bureau-Tagung Anfang Dezember 2014 nicht. Ich mahnte mehrfach eine Erklärung an, schließlich, nach über sechs Wochen, kam ein zweiseitiges, schwer verständliches Schreiben von Schönlebe. Es befreite mich von jedweder Bindung an den Verband, für den ich 15 Jahre in vielen Funktionen gearbeitet hatte, ohne meine DAeC-Mitgliedschaft (FAI-Lizenz!) in Frage zu stellen. Bis April 2016 saß ich folglich für den DMFV im CIAM Bureau. So schloss sich ein Kreis.

Im DMFV musste ich nicht Mitglied werden, ich war es längst. 2011 trat ich in die LSG Rissen ein, um in Hamburgs Westen RC-Modelle zu fliegen. Eine Funktion im neuen, alten Verband strebe ich nicht an. Ich freue mich jedoch, wenn ich bei internationalen Fragen oder mit Schulunterricht nützlich sein kann.

Gerhard Wöbbeking, 4. Juli 2017
Home Impressum